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Dr. Kurt Illchmann, Saal. – Sie schreiben uns: „ … nun beziehe ich schon einige Zeit Ihre Zweiwochenschrift Gegengift und werde aus der Lektüre nicht ganz schlau, was Sie damit eigentlich bezwecken und welchen Leserkreis Sie v. a. ansprechen wollen. Ich fand darin eigentlich nicht viel Gegengiftiges, was dem Titel gerecht werden könnte. Vieles ist geradezu esoterisch, manches auch wie aus einem Kulturblatt. Wenn Sie die herrschende Polit- und Medienkaste ärgern wollen, so wird das auch weiterhin nicht gelingen, nachdem Sie nirgendwo erwähnt oder gar angegriffen werden …“. Der Vorwurf, wie seien nicht giftig genug, ist schwer zu parieren, denn er läuft auf eine Stilfrage hinaus. Gewiss, wir nutzen für unsere Kritik nicht den schweren Säbel; alles, was einem nicht gefällt, einfach in Stücke zu hauen, erscheint uns nicht sonderlich elegant, und ein wenig Eleganz sollte schon dabei sein, wenn man sich journalistisch zu Fragen der Zeit äußert. Auf der anderen Seite haben wir auch nicht – wenn wir uns mal selbst waffenmäßig einordnen wollen – nach dem Florett gegriffen, das uns in der Tat als eine zu leichte Waffe erschiene, um gegen den Mainstream ankämpfen zu wollen. Was also bleibt? Der Degen – die Hieb- und Stichwaffe zwischen Säbel und Florett. Wir finden, dass wir deutlich genug sind, wollen aber nicht Ausgabe für Ausgabe mit dem sprichwörtlichen Schaum vor dem Munde herumlaufen. Schreiben wir Esoterisches? Das kann nicht sein. Andererseits sind wir der Kultur durchaus zugetan, führen wir sie doch im Untertitel unserer Zeitschrift. Dass wir nirgendwo erwähnt werden, stimmt so nicht. Hin und wieder nimmt uns der politische Gegner durchaus aufs Korn, so die SPD, die im Internet vor uns warnt. Die Kommunisten von der Jungen Welt haben schon eine ganze (Breit-)Seite gegen uns abgefeuert, die Frankfurter Allgemeine erwähnte uns in ihrer Zeitschriftenschau mehrmals wohlwollend. Aber dabei wollen wir es jetzt belassen. Der Satz, dass viel Feind auch viel Ehr bedeute, ist ein zweifelhafter, wobei wir durchaus zugestehen, dass Angriffe Linksradikaler uns durchaus zur Ehre gereichen, die wir aber spätestens dann nicht einheimsen wollen, wenn sie in Form eines Molotowcocktails durch unser Redaktionsfenster fliegt. Am Ende Ihres Briefes schreiben Sie: „Falls Sie aber unverändert so weitermachen wollen wie bisher, dann lassen Sie es mich bitte wissen.“ Wir wollen, lieber Herr Dr. Illchmann, wir wollen. Aber natürlich wollen wir auch mit jeder Nummer besser werden.